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Stuttg. Zeitung, 12.04.18: „Dritter Frühling für den Sportbund“

Auf Talenten wie dem deutschen Meister Uros Bojic (15) ruhen Hoffnungen beim Tischtennisclub. Das Schlägerblatt ist leicht gesenkt, der Oberkörper nach vorne gebeugt. Dann folgt eine ruckartige Bewegung mit dem Handgelenk von der Hüfte nach vorne. Der kleine weiße Kunststoffball zischt knapp über das Netz, kommt an der anderen Seite der Platte auf und ist kaum zu erreichen für das Gegenüber. Es ist der technisch fein ausgeführte Rückhandspin von Uros Bojic, einem der größten Tischtennis-Talente seiner Altersklasse in Deutschland.

Der präzise Return gehört neben dem Aufschlag zu den Stärken des 15-Jährigen und ist ein Grund dafür, warum sich Bojic seit kurzem Deutscher Meister nennen darf. Gemeinsam mit Jeromy Löffler von den TTSF Hohberg holte der Sohn des ehemaligen Bundesliga-Trainers Momcilo Bojic, für viele etwas unerwartet, den U-15-Titel gegen ein höher gesetztes Nationalspieler-Duo aus Bayern. „Ich konnte es selbst kaum glauben“, sagt Bojic, der vor einem Jahr vom TTC Bietigheim-Bissingen zum DJK Sportbund Stuttgart gewechselt ist.

Dass sich ein Talent wie Uros Bojic mittlerweile für den Sportbund entscheidet, ist das Ergebnis einer langen und erfolgreichen Nachwuchsarbeit. Seit 1989 legt der Tischtennisverein seinen Fokus auf junge Talente. „Früher haben wir alle Kinder von klein auf ausgebildet“, sagt Thomas Walter, der den Nachwuchsbereich damals aufbaute. 1995 wurde die Schülermannschaft Deutscher Meister. Von 2009 bis 2011 spielte der Verein mit zwei selbst ausgebildeten Spielern in der zweiten Liga. „Das waren bisher unsere stärksten Generationen“, sagt Walter.

Heute wechseln auch aufgrund dieser Erfolgsgeschichte neben Bojic Talente wie Carlos Dettling nach Stuttgart. Der 15-Jährige stand in der vergangenen Saison an vierter Stelle der deutschen U-15-Rangliste. Vor allem die vor zwei Jahren gegründete Trainingsakademie ist für junge Talente ein wichtiges Argument.

Neben den eigenen Topspielern des Sportbunds, dessen Teams im Damen- und Herrenbereich in der Regionalliga spielen, nehmen regelmäßig externe Spieler am Trainingsbetrieb teil. Manchmal schauen auch Profis wie Irene Ivancan, Vize-Europameisterin von 2011 im Einzel, vorbei. „Neben den Profivereinen aus der Region“, sagt Walter, „bieten nur wir solche Möglichkeiten.“

In die Sphären der Clubs aus der Bundesliga möchte der Nachwuchsförderer ohnehin nicht stoßen. „Wir bieten hier leistungsorientierten Amateursport“, sagt der 51-Jährige, der mit der Trainingsakademie auch eine Marktlücke geschlossen hat. Denn von den Verbänden gibt es für Jugendliche ab 16 keine Stützpunktförderung mehr. Nur noch die größten Talente werden gefördert. Und dazu gehören nicht viele. Das Deutsche Tischtennis-Internat in Düsseldorf besitzt lediglich eine Kapazität von 14 Mitgliedern. Und Proficlubs bilden kaum aus. Sie wollen zumeist fertige Spieler, vor allem seit der Umstrukturierung hin zu drei Akteuren pro Mannschaft. Talente zwischen 16 und 21 gehören deshalb zur verstärkten Zielgruppe von Walter. „Wir haben uns die Marktlücke nicht ausgeguckt“, betont er allerdings. „Das hat sich mit der Zeit einfach ergeben.“

Teil dieser Entwicklung sind auch Spieler wie Bojic oder Dettling. Mit beiden werden folglich auch Hoffnungen verbunden. Schließlich könnte sich nach 1995 und 2009 eine dritte starke Generation herauskristallisieren. „Langfristig können wir mit Uros und Carlos sicher wieder in die dritte Liga aufsteigen“, ist Walter überzeugt. 2016 waren die Stuttgarter aufgrund einiger Abgänge freiwillig in die Regionalliga abgestiegen. Ob das spielerische Talent Bojic oder der eher ehrgeizige Dettling mal den Sprung in eine der ersten beiden Bundesligen schaffen können? Ausschließen möchte es der im positiven Sinne tischtennisverrückte Walter nicht. „Unser Hauptziel ist das aber nicht“, sagt er. Denn neben der Nachwuchsarbeit ist der DJK Sportbund Stuttgart mit 25 aktiven Mannschaften derzeit der größte Tischtennisverein in Baden-Würrtemberg. Und da gibt es schließlich auch einiges zu tun.

von Simon Valachovic, Stuttgarter Zeitung

 

 

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