Schwarzer Freitag: Gemeinderat kürzt Sportförderung drastisch! Ein Kommentar …

Kein guter Tag für den Stuttgarter Vereinssport: Im Rahmen der Genehmigung des Stuttgarter Doppel-Haushalts 2026/27 müssen die Vereine zukünftig mit deutlich weniger Mitteln auskommen. Für das Sportbund-Tischtennis bedeutet dies Einbußen von ca. 15.000 – 20.000 € pro Jahr!

Bei der Mitgliederversammlung am vergangenen Dienstag wurde deshalb eine entsprechende Anpassung der Beiträge beschlossen, die zumindest die Erhöhung der Hallengebühren auffängt. Nicht abgedeckt sind jedoch die Mittel für den (Jugend-)Leistungssport. Dies könnte dramatische Konsequenzen für die Jugendförderung beim Sportbund haben …

Foto: Bald Vergangenheit? Eine volle Halle Nord mit vielen Jugendlichen beim Tischtennis!

Die Haushaltslage in der Stadt Stuttgart hat sich dramatisch verschlechtert. Verluste bei den Gewerbesteuer-Einnahmen haben dazu geführt, dass in den nächsten beiden Jahren insgesamt 800 Mio. Euro eingespart werden müssen.

Beschlossen wurde in der Gemeinderatssitzung am 19. Dezember 2025 unter anderem die
  • Erhöhung der Sporthallen-Mieten um 50 %: Für die Nutzung der Sporthallen in Stuttgart muss pro Stunde eine Gebühr entrichtet werden. Diese Trainingsstunden werden auch für den Jugendsport finanziell belegt. Der Sportbund zahlte bisher knapp 10.000 € Hallengebühren pro Jahr, jetzt werden es knapp 15.000 € sein.
  • Streichung des Talentförderprogramms: Seit knapp 30 Jahren fördert die Stadt den Jugend-Leistungssport mit insgesamt 80.000 €, davon erhält der Tischtennis-Bezirk 10.000 €. Die Trainingsstützpunkte (derzeit) in Sillenbuch und Ostheim haben dazu geführt, dass zahlreiche internationale, nationale und landesweite Titel und Medaillen von den Stuttgarter Jugendlichen geholt wurden. Mit dem Talentförderkonzept können über ein zweimal wöchentliches Vereinstraining hinaus zwei weitere Trainingsabende vom Bezirk organisiert und finanziert werden.
  • Fahrtkostenzuschüsse für Wettkämpfe und Trainingseinheiten: Für Auswärtsfahrten außerhalb des Landes Baden-Württemberg erhalten Stuttgarter Sportmannschaften bisher eine Unterstützung für die Fahrtkosten. Dies betrifft derzeit unsere 2. Bundesliga-Mannschaft der Damen sowie Mannschaftsmeisterschaften unserer Jugendlichen. Diese Zuschüsse von jährlich einigen tausend Euro fallen komplett weg.

Kommentar: Dass die Wirtschaftskrise dramatische finanzielle Auswirkungen hat, ist überall sichtbar. Deshalb ist es verständlich, dass der Stuttgarter Gemeinderat nach Auswegen gesucht hat, um die Existenz der Stadt durch einen ausgeglichenen Haushalt zu sichern. Das ist am gestrigen 19. Dezember gelungen.

Gleichzeitig stellt sich die Frage nach Maß, Mitte und Reaktionszeit. Wir sprechen in der Stuttgarter Sportförderung nicht über Kürzungen von 5, 10 oder 20 % wie in anderen Bereichen. Nein, hier werden mit einer Ankündigung zwei Wochen vor dem Jahresbeginn 2026 eine 50 %-ige Erhöhung und zwei 100 %-ige Streichungen vorgenommen!

Sicherlich kann man ein Talentförderkonzept einer Stadt oder Fahrtkosten-Zuschüsse für die Vereine als Luxus sehen. Aber was ist die Alternative, wie soll es weitergehen, welche Lösungsvorschläge bieten sich an – welche Lösungen bieten die für den Sport tätigen Ämter der Stadt Stuttgart an? Briefe an alle 60 Gemeinderatsmitglieder blieben unbeantwortet, ausgenommen einem „netten“ Schreiben einer Fraktion, mal darüber zu reden. Wir warten noch auf Rückmeldungen. Zu befürchten ist: Da warten wir laaaange …

Mit den Beschlüssen wurden zunächst einmal sämtliche Förderstrukturen für den Nachwuchs-Leistungssport eingerissen. Der Zusammenhang ist einfach: Profi-Sport wird über Profi-Vereine (keine e. V.!) oder für die absolute Elite über die Sportfachverbände finanziert, Breitensport wird über Mitgliedsbeiträge finanziert. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Sportler „der zweiten Reihe“, die mehr als ein- oder zweimal trainieren, die Trainingslager absolvieren, die schlicht und einfach Leistungssport machen und anstrengen wollen, die benötigen mehr Trainings- und damit Hallenzeiten sowie qualifizierte Trainer. Und dies kostet eben Geld. Für solche Kinder und Jugendliche müssten die Mitgliedsbeiträge verfünf- oder verzehnfacht werden. Das ist aus sozialen Gründen wiederum meist nicht möglich. Die Strukturen mit niedrigen bzw. mittleren Vereinsbeiträgen und hohen Hallenkosten und ausfallenden Zuschüssen passen nicht mehr.

Die Stadt Stuttgart hat damit – bei allem politischen Verständnis für eine gesunde Finanzierung des Gemeinwesens – eine klare Absage an Nachwuchsförderung im Sport gegeben. Wir können in unserer Gesellschaft hochbezahlten Profi-Fußball im Stadion oder auf der Fernseh-Couch anschauen – oder wir können kostengünstigen Freizeitsport betreiben. Aber bitte, liebe Amateur- und Jugendsportler: Strengt Euch nicht zu sehr an, zu viel Bewegung und Leistungsbereitschaft wollen wir nicht – das ist die Botschaft dieser Streichorgie!

Dreieinhalb Jahrzehnte hat die „Sportstadt“ Stuttgart den Nachwuchs im Sport gefördert, damit aus meiner persönlichen Sicht zahlreiche junge Menschen auch auf einen guten beruflichen Weg mit Leistungsbereitschaft gebracht. Chapeu! Viele Menschen, ob Eltern, Trainer oder Betreuer haben dies ehrenamtlich begleitet. Das soll jetzt ein Ende haben – die Strukturen jedenfalls wurden beseitigt. Schade, aber wir können ja den Fernseh-Knopf anmachen, dann sehen wir weiterhin tollen Spitzensport …

gez. Thomas Walter

Stuttgarter Nachrichten: Stuttgarter Gemeinderat verabschiedet Rekord-Sparhaushalt

 

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