Nachruf: Rupert Brauchle gestorben!

Er war einer der ersten Mitglieder des Sportbunds, trat unserem Verein in den 50er-Jahren bei, jetzt ist er im Alter von 92 gestorben: Rupert Brauchle. Als er in den 90er-Jahren in den Ruhestand ging, verließ er Stuttgart und zog ins oberschwäbische Alttann. Deshalb ist er den meisten der heutigen Mitglieder nicht persönlich bekannt. Auch von seiner neuen Heimat sendete er von Zeit und Zeit Signale an den Förderverein. Der DJK Sportbund Stuttgart hatte mit Rupert Brauchle eines seiner wichtigsten Mitglieder. Wir sind in Gedanken bei der Familie Brauchle und halten Rupert im Andenken einen Ehrenplatz.

Ein Nachruf …

Sportliche Erfolge in den 60er-/70er-Jahren – Spieler bis zur Rente

Rupert war ein guter Tischtennis-Spieler, ein überragender Sportler allgemein – aber ein Star in der Öffentlichkeit, das war er nie und wollte es nicht sein. „Ich spiele da, wo der Verein mich aufstellt!“ Mit dieser Aussage ist viel über ihn als Team-Mitglied gesagt. Als ich diese Antwort in den 80er-Jahren hörte, war ich verblüfft. Denn: Rupert Brauchle war auch damals noch ein Spieler mit dem Niveau für die 1. Mannschaft, wurde aber in der Zweiten aufgestellt. Argumente wie TTR-Punkte gab es damals nicht, nur die Vorjahresbilanz zählte. Die sprach eigentlich für eine höhere Aufstellung, aber Rupert akzeptierte wie immer die Entscheidung der Abteilungsversammlung, bei der es damals bis Mitternacht immer hoch herging.

Meist spielte er also in der 2. und 3. Herren, immerhin bis in der Oberliga. Und auch mit über 60 Jahren absolvierte er noch Bezirksklassen-Spiele, war immer topfit und austrainiert. Sein Stil: Old school mit einem Barna-Brett (also kurze Noppen ohne Schwamm), gerade zackige Abwehrbewegungen, wenn der Ball gut lag, ein Vorhand-Schuss. Seine Stärken: eine unglaublich gute Athletik (er spielte nebenbei Fußball), schnelle Beine und viel Ruhe und Konzentration. Seinem Gesicht konnte man nicht ansehen, wie der Spielstand war – ein Pokerface wie der frühere deutsche Spitzenspieler Eberhard Schöler. Bewundernswert, wie Rupert vollen sportlichen Körpereinsatz mit der psychischen Stärke verband. Ob es mit seinem Beruf zusammenhing? Rupert war Gerichtsvollzieher. Auf meine kindliche Frage, ob das ein schöner Beruf sei, Vermögen anderer Menschen zu beschlagnahmen, antwortete er einmal: „Das muss halt gemacht werden. Ich habe mich dran gewöhnt und bleibe da ruhig.“

Jugendleiter mit großem Engagement

Die beruflichen Berührungspunkte Ruperts zu Finanzen kamen auch dem Sportbund zugute. Viele Jahre war er Kassier der Tischtennisabteilung. Ein Kassenbuch mit handschriftlich penibel ausgefüllten Einnahmen- und Ausgaben-Spalten ist mir noch in guter Erinnerung. Besonders große Verdienste erwarb sich Rupert als Jugendleiter des Sportbunds. Rund ein Jahrzehnt kümmerte er sich in den 70er-/80er-Jahren – gemeinsam mit Bruno Riegger – um den Nachwuchs. Drei Begebenheiten blieben aus dieser Zeit in nachhaltiger Erinnerung.

Jedes Spiel der Schüler- oder Jugend-Mannschaft wurde perfekt vorbereitet, der Treffpunkt im Training zuvor verabredet, die Fahrt in seinem Auto vor und nach den Spielen, das intensive Coaching, die Nachbesprechung. Im Spiel galt der Grundsatz eines Verteidigers: Sicherheit zuerst, der Ball muss auf den Tisch. Irgendwie ist da etwas hängen geblieben … Pünktlichkeit und Disziplin waren seine Basis, die Freude in einer Mannschaft zu spielen, entwickelte sich daraus.

In dieser Zeit gab es noch richtige Spielerpässe, ein grüner Karton mit Lichtbild. Und: Man musste alle zwei Jahre einen Gesundheitscheck bestehen. So traf sich die gesamte Sportbund-Jugendmannschaft mit Rupert vor dem Gesundheitsamt im Stuttgarter Westen. Den Stempel zur Verlängerung des Passes gab es immer – kein Wunder bei dem agilen Jugendleiter.

An einem Trainingsabend im April kam Rupert auf mich zu. „Du spielst bei der Relegation mit!“ Ich war 12 oder 13 Jahre alt, spielte in der Schüler-Mannschaft (bis 14) und wurde an diesem Abend tatsächlich für die Aufstiegsspiele der 1. Jungen (bis 18 Jahre) von der Kreisliga in die Bezirksklasse in Birkach nominiert. Mein ganz persönlicher Ritterschlag von Jugendleiter Rupert. Der Aufstieg gelang dann auch – vor allem, weil die älteren Stammspieler punkteten. Rupert Brauchle und Bruno Riegger hatten das Team nach oben geführt …

Als Mensch korrekt und liebenswert

„RIP, ich kannte ihn als kleiner Junge, habe ihn als einen sehr liebenswürdigen Menschen in Erinnerung.“ So reagierte dieser Tage einer seiner damaligen Schützlinge auf die Nachricht vom Tod Ruperts. Und tatsächlich: Hinter diesem immer äußerst korrekten, verlässlichen Menschen steckte ein Begleiter mit viel Herzblut. Einer, der sich selbst nie, aber auch wirklich nie in den Mittelpunkt stellte, der immer für die anderen da war, der sich sportlich hinten anstellte, um den Gemeinsinn im Sportbund zu stärken. Freude macht, wenn man gemeinsam etwas erreicht – so könnte man das Lebensmotto von Rupert umschreiben. Wenn das gelang, erlebte man den fröhlichen Rupert. Mit diesen Eigenschaften wurde er zu einem der größten Mentoren für junge Menschen in unserem Verein, einer, der den Nachwuchs stark machte und nicht nur die sportliche, sondern auch die persönliche Entwicklung forcierte.

Der Sportbund ist dankbar, Rupert Brauchle in seinen Reihen gehabt zu haben, einen Menschen, der vieles in eine sehr gute Richtung bewegt hat. Ruhe in Frieden, Rupert!

Thomas Walter, für den Sportbund

 

 

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