Nachruf: Walter Stapf gestorben

Bereits am 15. Februar ist Walter („Wastl“) Stapf im Alter von 92 Jahren friedlich eingeschlafen.

Seit 1956, also seit 69 Jahren (!), war er Mitglied des Sportbunds. Und er war mehr als nur ein Mitglied. Wastl, wie ihn alle nannten, das war Treue zum Verein, Bescheidenheit und Zuverlässigkeit in Person – kein Mensch, der sich in den Mittelpunkt stellte, sondern ein Mannschaftsspieler der alten Schule: immer gespielt, wo er aufgestellt wurde, keine Forderungen und im Training für jeden Partner zu haben. Und gleichzeitig war er einer der Spieler mit den größten Verdiensten im Verein. Die Herren stiegen in der Saison 1956/57 in der Besetzung Wahl, Maier, Walter Stapf, Peter Grieb, Brüder Bruno und Guido Riegger in die Oberliga-Süd auf, die damals höchste deutsche Spielklasse. Zu Saisonbeginn war Wastl gemeinsam mit Peter Grieb vom Lokalrivalen Allianz Stuttgart in den Stuttgarter Osten gewechselt. Die beiden bildeten dann einige Jahre das Spitzenpaarkreuz des Sportbunds, ab Anfang der 60-er Jahren agierte Wastl in der zweiten Mannschaft, bis vor ca. 20 Jahren in tieferen Mannschaften. Es dürften an die 1.000 Spiel-/Turniereinsätze gewesen sein.

Sein Stil und Auftreten aber blieben immer zeitlos – akurate Abwehrbälle, ein „geschobener“ Vorhandangriffsball und für den Gegner fürchterliche Schnittwechsel, dazu ein sportlich-vorbildliches Auftreten. Ganz persönlich bleiben mir die Erinnerungen an meine Schülerzeit, als Wastl in den 80er-Jahren geduldig als Trainingspartner jeden Freitag bereit stand. Vom Spiel gegen Abwehr hatte ich keine Ahnung, Wastl zeigte mir meine Grenzen auf, gleichzeitig schnibbelte er geduldig zwei Stunden lang die Bälle gegen den hilflosen 12- bis 14-Jährigen zurück. Damals kamen erstmals die langen Noppen (Marke: Feint) auf den Markt, die beherrschte Wastl. Ich Dreikäsehoch sah nie, ob da Unter- oder Überschnitt drin war. In meiner Verzweiflung schaute ich bei Wastls Aufschlägen schon mal unter dem Tisch, mit welcher Schlägerbelag-Seite er jetzt aufschlug – Tischtennis kurios! Aber der für mich schon damals ältere Herr lehrte mich die Demut vor dieser Abwehrkunst.

Besonders in Erinnerung bleibt von Wastl, dass er sich wie kaum ein anderer – in seiner stillen Art – für den großen Sportbund-Aufschwung mit der Jugendarbeit zu Beginn der 90er-Jahre begeisterte. Fast kein Spiel der 1. Herren verpasste er als Fan in diesen gut 20 Jahren. In der Ostheimer Halle und in der Halle Nord hatte er seinen Stammplatz.  Immer wieder schwärmte er in Superlativen – sonst ungewöhnlich für ihn – von Georgios, Stepke, Dennis, Dauud und den vielen anderen, die als Eigengewächse den Sprung in die Oberliga, Regionalliga und 2. Liga schafften. Ein Kenner begeisterte sich für Könner, für seine Nachfolger! Mit seiner Begeisterung motivierte er auch uns Jugendtrainer, die Arbeit fortzusetzen. Damit stand er in einer (Zuschauer-)Reihe mit den Riegger-Brüdern Guido und Bruno, Elmar Lipp und vielen anderen. Er war Teil der geballten Wucht und Unterstützung für den damaligen Sportbund-Aufschwung.

Walter Stapf war und ist ein Stück Zeitgeschichte und ein Großer des Sportbund-Tischtennis! Danke, dass Du für uns da und einer von uns gewesen bist! Wir werden Dich nie vergessen!

Thomas Walter, für den Sportbund

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