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Aufsteiger des Jahres: Salvatore Rendine

2014 Vereinsmeisterschaften - Sieger Herren Doppel Salvatore Rendine und David Zirra

Rückblick ins Jahr 1995: Deutsche Mannschaftsmeisterschaften, die Sporthalle in Gerlingen bebt. 400 Zuschauer sehen das Finale zwischen dem Niedersachsen-Meister und dem Sportbund Stuttgart. Auf dem Tisch vor der Tribüne trümmert Sportbunds Doppel 1 mit Georgios Papadopoulos und Salvatore Rendine (Foto: links) einen Rückhand-Schuss nach dem anderen zu Punktgewinnen. Es reicht nicht ganz für den 14-jährigen Salvatore. Beide Doppel gehen verloren – doch am Ende steht der italienisch-stämmige Salva, wie ihn alle nennen, auf dem Siegerpodest ganz oben. Sein Sportbund-Team hatte mit 7:7 und Satzvorsprung den Deutschen Titel geholt! Szenenwechsel – 20 Jahre später: Salva schießt erneut scharf mit der Rückhand, diesmal in der neuen Ostheimer Halle, am Balleimer … 2014 Vereinsmeisterschaften - Sieger Herren Doppel Salvatore Rendine und David Zirra

Noch immer gerne erinnert sich der inzwischen 34-jährige Vater einer Tochter an die alten Zeiten. „Mit Georg, das Doppel war gut.“ Und tatsächlich: Mit seinem Doppelpartner, der bis April beim TB Untertürkheim in der Oberliga spielte, verband ihn einiges. Sportlich vor allem das starke Rückhand-Spiel, an den beiden kam auf dieser Seite in Württemberg praktisch niemand vorbei. Gemeinsam verbrachten die beiden vor allem viele Stunden in der Trainingshalle (der alten Ostheimer Halle), viele Wettkämpfe und Ausflüge. „In der Ostheimer, das war cool, jeden Freitag Rangliste“, schwärmt Salva noch heute.

Georg und Salva wurden auch vom Verband gefördert. Der Autor dieser Zeilen erinnert sich noch an eine gemeinsame Fahrt zum Trainingslager in die Sportschule Tailfingen, die mit einem Stopp an einer der Serpentinen bei der Fahrt die Alb hinauf vorerst endete – die Jungs hatten offenbar ihr Frühstück nicht vertragen und das Auto musste gesäubert werden …

1993 errang der Sportbund seinen allerersten großen Mannschaftserfolg im Jugendbereich. Das Schüler-Team hatte sich als Zweiter der – damals noch ausgetragenen – Schwerpunkt-Ausscheidung gerade noch für die Endrunde der Württ. Meisterschaften, die ersten Acht, qualifiziert. Die Nummer eins des Teams: Salvatore Rendine. Bei der Württ. Meisterschaft in Crailsheim musste Salva passen, er lag im Krankenhaus. Das eigentlich völlig chancenlose Team spielte dann sensationell viermal 5:5 und im letzten Spiel 6:3 – der Württ. Meistertitel wurde anschließend bei Salva im Krankenzimmer gefeiert. Ein Jahr später dann die Steigerung: Deutsches Finale gegen den TSV Schwabmünchen mit Salva an Nr. 2. Zwei falsch gespielte Doppel kosteten den Titel. Statt 2:0 wie gespielt stand es nach der Wiederholung 0:2, das Endspiel ging 6:8 verloren. Wiederum 12 Monate später klappte es dann: Mit 7:7 und den besseren Sätzen setzte sich das Sportbund-Team mit Georgios Papadopoulos, Stefan Krieger, Khan Lai, Salvatore Rendine durch und wurde Deutscher Meister. Im Endspiel musste Salva im Einzel einem gewissen Dauud Cheaib, damals gerade 10 Jahre alt, Platz machen. Doch bei der Siegerehrung war Salva in allerbester Feierlaune: „Kann ich heute auch zwei Fleische essen?“

Herren B Pokal1998 dann der Bruch: Nach den Württ. Mannschaftsmeisterschaften der Jungen – Salva war damals die Nummer eins, das Team wurde enttäuschender Vierter – erklärte er seinen Ausstieg aus dem Tischtennis. Kaum zu glauben angesichts seiner Fähigkeiten, aber wie die Interessen bei 17-Jährigen eben nun mal so wechseln …

16 Jahre später, im Oktober 2014, blickte Salva wieder durch die Tür der – nun neuen – Ostheimer Halle. „Ich will wieder anfangen!“ Und von Anfang an zeigte er großen Ehrgeiz, wollte alles wissen, wie er wieder besser werden kann: Übungen am Tisch, viele Sätze bis spät in die Nacht, Balleimer-Training, Seilspringen und unzählige Turnierteilnahmen dokumentieren sein Engagement. „Ich habe David getroffen, er hat mir geraten, wieder zu kommen“, blickt er auf den entscheidenden Moment seines Comebacks zurück. David Zirra (Bild rechts) wiederum hatte ebenfalls nach vielen Jahren erst Monate zuvor einen Neueinstieg gewagt. „Ja, Salva ist richtig stark geworden“, bestätigt David, die häufig gemeinsam am Trainingstisch zu sehen sind. Und kaum zu glauben: Salva startete im November mit gerade einmal 1.283 TTR-Punkten im hinteren Paarkreuz der Kreisklasse A. Am Saisonende gewann er mit dem Team der 7. Herren den Pokal (Foto). Nach nur 9 Monaten hat er jetzt 1.610 Punkte gesammelt, also ein Plus von 327 Punkten!!! „Ich habe in Heilbronn sogar einen mit 1.800 TTR-Punkten geschlagen“, freut sich Salva über sein gestiegenes Spielniveau und die vor ihm liegenden Perspektiven. (Die ausgestreckte Sportbund-Hand zur Gratulation musste er anschließend hinnehmen 🙂 )

In der neuen Saison wird er gemeinsam mit David in der 5. Herren (Bezirksklasse) an den Start gehen. Sein Wunsch ist, noch weiter nach oben zu kommen. Mit leuchtenden Augen verfolgte er alle Herren 1-Spiele der 3. Bundesliga in der Halle Nord seit Dezember. „Die spielen richtig stark, da ist jeder Ballwechsel gut anzuschauen“, lobt er das Niveau. Zumindest ein Stück näher möchte er denn auch kommen. Und dafür tut er viel: mehrmals die Woche trainiert er, springt Seil, ist deutlich fitter als noch vor Jahresfrist. Salva kennt das Trainingsprogramm auf dem Weg nach oben – schließlich war er vor 20 Jahren Mitglied des Deutschen Meisterteams …

Thomas Walter

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